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Mehr Trainer und besseres Training für US Team

01.09.2011, Ruhpolding / IBU Inf. Dept. TO/ Jerry Kokesh
Trainingslager-Test: Rossfeld-Video
Jede Mannschaft plant für das Trainingsprogramm in der Nebensaison ihren eigenen Weg zum Erfolg. Das ist auch beim US Biathlon team nicht anders. Von dem Zeitpunkt im Mai, an dem die Vorbereitungen für die nächste Saison beginnen, bis Dezember, wenn der erste Wettkampf ansteht, ist jeder Tag gefüllt mit Arbeit oder genau berechneter Regeneration. Auf dem Weg zum ersten Weltcup-Start werden viele Trainingscamps durchgeführt und der Trainingsfortschritt wird ständig überprüft. Derzeit befindet sich die US-Herren- und die Damen-A-Mannschaft in Europa in ihrem jährlichen Sommercamp.

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Klare Unterscheidung zwischen A und B Team


 


Das US-Team hat in den vergangenen fünf Jahren kleine aber konstante Änderungen in ihrer Trainingsstruktur vorgenommen. Die offensichtlichste Änderung in diesem Jahr war die reduzierte Anzahl an Athleten, die in Europa trainiert haben. Cheftrainer Per Nilsson erklärte: „In diesem Jahr sind die Frauen einen Schritt herangekommen und es gibt eine klare Unterscheidung zwischen A und B Team.“ Er erklärte weiter, dass diese Änderung dadurch möglich wurde, weil Jonne Kähkönen als Frauentrainer eingestellt wurde und nun, genau wie Patrick Coffey, der IBU Cup Trainer, in Lake Placid lebt und arbeitet.


 


Ständige Aufsicht


 


Die Trennung der Teams schafft für alle Athleten eine höhere Motivation, denn die A-Mannschaft bekommt kleine Extras wie das derzeitige Trainingslager in Europa. Zwischen den Camps trainieren beide Mannschaften zusammen in Lake Placid zusammen mit Kähkönen und Coffey. Diese ständige Aufsicht und Hilfe im Training ist eine weitere Änderung, die von Trainern und Athleten geschätzt wird. Annalies Cook erklärte: „Patrick und Jonne arbeiten wirklich sehr gut zusammen, sie reden ständig miteinander und stimmen sich auch immer mit Per, Armin und Bernd ab. Wenn mal etwas nicht stimmt, muss man damit nicht alleine klar kommen. Man hat immer jemanden da, auf den man sich verlassen kann.“ Lowell Bailey fügte hinzu: „Die Betreuer haben in diesem Jahr wirklich eine sehr gute Abstimmung. Obwohl Jonne und Patrick eigentlich die Frauentrainer sind, können sie hier herkommen und ohne Probleme zusammen mit Per und Armin einen Lehrgang machen. Gleichzeitig kann ich in Lake Placid trainieren und die beiden wissen immer, was ich mache und wo ich stehe. Das funktioniert wirklich gut.“


 


Nilsson erläuterte, warum auch die Trainer dieses System mögen: “Vorher haben wir sie ein paar Wochen lang nicht gesehen und dann waren wir drei Wochen am Stück ständig zusammen. Dadurch waren die Trainer und die Athleten ziemlich aufgeregt. Es ging emotional immer hoch und runter. Jetzt ist es gleichmäßiger.“


 


Heimvorteil


 


Beim derzeitigen Lehrgang war die Mannschaft zunächst zwei Wochen in Ruhpolding, am Ort der nächsten IBU Weltmeisterschaften. Jetzt sind sie in Oberhof und trainieren dort in der Skihalle zum ersten Mal in diesem Sommer auf Schnee. Dieses Camp ist ein Bonus für die vier besten Männer des Sommers Lowell Bailey, Tim Burke, Leif Nordgren und Jay Hakkinen sowie die zwei besten Frauen Sara Studebaker und Annalies Cook. Laura Spector stieß in Oberhof zusätzlich zur Mannschaft.


 


Die Mannschaft kommt nun schon seit mehreren Jahren im Sommer nach Ruhpolding und hat so eine Verbindung zum Ort und der Umgebung aufgebaut. Die Athleten und Trainer haben auch außerhalb des Sports Freunde gefunden und einige Betreuer wohnen in der Nähe. Bailey freut sich dadurch auf die Weltmeisterschaften: „Wir haben hier in Bayern eine Menge Wurzeln geschlagen und ich denke, dadurch haben wir einen kleinen Heimvorteil.“


 


Geist des Sports


 


Ein weiterer Vorteil ist laut Jay Hakkinen der Kontakt mit den anderen Mannschaften in Ruhpolding, besonders da am Schießstand in diesem Sommer ständig Hochbetrieb herrschte. Zusätzlich hat das Team einige Gäste, die in den Mannschaften mittrainieren, wie den Holländer Herbert Cool und Burke’s Freundin Andrea Henkel. „Eine Sache, die uns in der Vergangenheit oft gefehlt hat, war der Kontakt mit den anderen Teams im Biathlonzirkus. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Athleten haben wir neue Ideen bekommen, können uns unter die anderen mischen und außerdem gehört das zum guten Geist dieses Sports.“


 


Andrea Henkel


 


Kähkönen schätzt besonders die Zeit, die Henkel mit der Mannschaft verbringt. „Es hilft besonders, Andrea bei uns zu haben. Das macht mir nicht viel mehr Arbeit, die ist die gleiche, egal ob ich drei oder fünf Athletinnen beaufsichtige. Aber unsere Mädchen können so mit einer der weltbesten Athletinnen trainieren.“ Die Verbesserungen im Frauenteam waren im vergangenen Winter auch in den Ergebnislisten sichtbar und hat der Mannschaft einen vierten Weltcup-Startplatz eingebracht. Diese guten Ergebnisse motivieren nun zusätzlich, denn die Frauen versuchen, näher zum Herrenteam aufzuschließen. Studebaker sagte: „Wir hatten noch nicht so viele gute Ergebnisse wie die Männer und wir arbeiten nun daran.“


 


Um sich weiter zu verbessern, halten alle Mannschaften regelmäßige Tests über den Sommer verteilt ab, auf dem Laufband, am Schießstand und auf der Strecke, wobei die Ergebnisse nach Möglichkeit mit denen aus dem Vorjahr verglichen werden. Verbesserungen zeigen, dass das Training funktioniert, während Verschlechterungen meist eine Änderung des Trainingsplans nach sich ziehen. Das gilt auch für das US Team, das traditionell den Rossfeld-Test abhält, bei dem die Athleten auf Skirollern die Rossfeld-Panoramastraße bei Berchtesgaden hinauflaufen.


Wind, Regen und Nebel


 


Das ist eine tolle Möglichkeit für die Trainer, den generellen Fitnessstand der Athleten zu überprüfen, die Kraft im Anstieg und die Skitechnik bei einer Stunde konstanter Belastung. „Die Bedingungen waren in diesem Jahr schlechter als je zuvor“ sagte Per Nilsson in Bezug auf den Wind, peitschenden, kalten Regen und dichten Nebel, in den die Athleten ungefähr 10 Minuten nach dem Start hineinliefen und der sich bis zum Ziel nicht mehr lichtete. Wenn man dazu die 1000 Höhenmeter auf der 11km langen Strecke mit einer Steigung von maximal 13 und durchschnittlich 8,9 Prozent nimmt, war dies ein sehr harter Trainingstag.


 


Jeden überholt


 


Doch die US-Athleten zeigten, dass ihr Training auf einem guten Stand ist, denn alle Männer konnten auf der Strecke persönliche Bestzeiten aufstellen und unterboten ihre bisherige Zeit teilweise um bis zu zwei Minuten. Tim Burke, der sich von einer Operation an den Beinen gut erholt hat, war als erster oben und hat dabei alle Mannschaftskameraden sowie die beiden Frauen, die 2 km weiter oben gestartet waren, überholt. Der Schmerz auf Burkes Gesicht, als er nach 56 Minuten aus dem Nebel oben auftauchte, zeigte deutlich, wie anstrengend dieser Fitnesstest ist. Doch schon wenige Minuten später, bekleidet mit zwei Jacken, einem langärmeligen Top und langen Hosen gegen die kühlen 9 Grad Celsius, lachte er wieder und meinte: „Ich habe mich heute wirklich gut gefühlt.“ Sechs stunden später war er zurück in Ruhpolding auf einem einstündigen Regenerationslauf vor einem wohlverdienten Ruhetag. Ein weiterer Test auf dem Weg in die neue Saison war absolviert.


 


Es folgt ein Video vom Lauf aufs Rossfeld.


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